Neuerscheinungen

Brüder, Bürger und Genossen. Die deutsche Arbeiterbewegung zwischen Klassenkampf und Bürgergesellschaft 1830-1870

von Jürgen Schmidt

 

Klassenkämpfe und zivilgesellschaftliches Handeln, politische Konflikte und geselliges Vereinsleben: Jürgen Schmidt beschreibt und erklärt in Brüder, Bürger und Genossen (Dietz) die vielfältige Entstehungsgeschichte der deutschen Arbeiterbewegung zwischen den 1830er-Jahren und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871. In diesen Jahrzehnten fanden sich Handwerker, Lohnarbeiter und Intellektuelle in politischen Vereinen, Parteien, Gewerkschaften und Genossenschaften zusammen. Sie diskutierten revolutionäre Ideen und reformerische Konzepte über nationale Grenzen hinweg, kämpften in der Revolution von 1848, organisierten Streiks, feierten rauschende Vereinsfeste und sahen sich staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Sie blieben eine Minderheit, wollten den Kapitalismus überwinden und eine neue gesellschaftliche Ordnung schaffen. Dabei versuchten sie dennoch, einen respektierten Platz in der Gesellschaft zu erlangen. Aus einer kleinen Gruppe Handwerker, Arbeiter und Intellektueller entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine wirkmächtige Arbeiterbewegung. Um die Lebendigkeit und Vielfalt dieser Parteien und Vereine nachzuzeichnen, beschreibt Jürgen Schmidt sie aus verschiedenen Blickwinkeln: als frühe zivilgesellschaftliche Akteure, als klassenkämpferische Organisationen, als Orte des Konflikts, der Kommunikation, Kultur, Männlichkeit und politischer Arbeit.

 

To be at Home. House, Work, and Self in the Modern World

 

Herausgegeben von James Williams und Felicitas Hentschke

 

Houses and homes are dynamic spaces within which people work to organize and secure their lives, livelihoods and relationships. Written by a team of renowned historians and anthropologists, and and accompanied by original photography by Maurice Weiss, To Be at Home: House,Work, and Self in the Modern World compares the ways people in different societies and historical periods strive to make and keep houses and homes under conditions of change, upheaval, displacement, impoverishment and violence. These conditions speak to the challenges of life in our modern world. The contributors of this volume position the home as a new nodal point between work, the self and the world to explore people’s creativity, agency and labour. Houses and homes prove complex and powerful concepts – if also often elusive – invoking places, persons, objects, emotions, values, attachments and fantasies. This book demonstrates how the relations between houses, work and the self have transformed dramatically and unpredictably under conditions of capitalism and modernity – and continue to change today.

 

Wege in die digitale Gesellschaft
Computernutzung in der Bundesrepublik 1955-1990

 

 

Herausgegeben von Frank Bösch

Die Verbreitung des Computers zählt zu den wichtigsten Veränderungen der jüngeren Zeitgeschichte. Bereits seit Mitte der 1950er Jahre setzten zunächst große Unternehmen und Behörden, dann auch das Militär und Sicherheitsdienste zunehmend Computer ein. Die Zeitgenossen diskutierten intensiv die Auswirkungen der Computernutzung und bewerteten sie als einen tiefgreifenden Umbruch. Dennoch hat sich die Zeitgeschichtsforschung bislang kaum mit dem Beginn des digitalen Zeitalters beschäftigt.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes untersuchen die Verbindungen zwischen technischem und gesellschaftlichem Wandel als einen evolutionären Prozess, der selten gradlinig verlief. Klassische Themen der Zeitgeschichtsforschung, wie die Geschichte der Inneren Sicherheit, des Wohlfahrtsstaats und des Bankenwesens, der Arbeitswelt, der Verwaltung, aber auch von Protest- und Subkulturen werden auf diese Weise neu betrachtet. Dabei wird aufgezeigt, inwieweit Computer die Kontroll-, Betriebs- und Machtgefüge veränderten. Die Bundesrepublik steht im Vordergrund, jedoch mit vielfältigen Seitenblicken auf grenzübergreifende Verflechtungen.

 

 

Internationale Solidarität
Globales Engagement in der Bundesrepublik und der DDR

 

 

Herausgegeben von Frank Bösch, Caroline Moine und Stefanie Senger


Seit den späten 1960er Jahren entstanden in vielen westlichen Ländern zivilgesellschaftliche Initiativen, die Teile der »Dritten Welt« unterstützten. Auch in der Bundesrepublik engagierten sich zahlreiche Solidaritätsgruppen für politisch Verfolgte in lateinamerikanischen Diktaturen, gegen die rassistische Ordnung in Südafrika oder für den Aufbau sozialistischer Reformprojekte in Nicaragua. In der DDR entstand dagegen eine staatlich initiierte internationale Solidarität. Sie leistete ebenfalls Hilfe vor Ort und basierte auf einer massenhaften Unterstützung. Mitunter entstanden auch hier unabhängige Aktionen.
In diesem Buch untersucht eine internationale Autorengruppe die Ziele und Praktiken der internationalen Solidarität in Ost- und Westdeutschland zur Zeit des Systemkonflikts. Die Solidarität fassen sie als grenzübergreifende Praxis im Kalten Krieg und betrachten besonders Lateinamerika und das südliche Afrika. Deutlich werden dabei vielfältige transnationale Kooperationen, die über den Menschenrechtsdiskurs hinaus reichten. Ebenso werden die Grenzen vieler Initiativen erkennbar, deren Scheitern und die damit verbundene Enttäuschung.

 

 

Transfers of Belonging
Child Fostering in West Africa in the 20th Century

 


In Transfers of Belonging, Erdmute Alber traces the history of child fostering in northern Benin from the pre-colonial past to the present by pointing out the embeddedness of child foster practices and norms in a wider political process of change. Child fostering was, for a long time, not just one way of raising children, but seen as the appropriate way of doing so. This changed profoundly with the arrival of European ideas about birth parents being the ‘right’ parents, but also with the introduction of schooling and the differentiation of life chances. Besides providing deep historical and ethnographical insights, Transfers of Belonging offers a new theoretical frame for conceptualizing parenting.

 

 

Reconnecting State and Kinship

Herausgegeben von Tatjana Thelen und Erdmute Alber

 


"Arguing that the anthropology of kinship and political anthropology have become two distinct sub-disciplines, mirroring the assumed dichotomy of traditional versus modern societies, this edited volume sets out to demonstrate the theoretical weakness that arises of such positions. Through excellent chapters by experienced anthropologists, we are shown the fallacy of the separation. Kinship and politics emerge as mutually constitutive enriching our understanding of both."—Signe Howell, University of Oslo

 

 

Global Histories of Work

 

Global Histories of Work (DE GRUYTER) ist der erste Titel der neuen Buchreihe "Work in Global and Historical Perspective". Dieser von Andreas Eckert herausgegebene Sammelband vereint Beiträge führender Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen. Die Aufsätze führen in die vielfältige Entwicklung von Themen, Debatten und Methoden der Global Labour History in den letzten Jahren ein. Die Beiträge des Bandes erörtern wesentliche historiografische Linien und präsentieren verschiedene Arbeitergruppen, die im Kontext der entstehenden Global Labour History neue Aufmerksamkeit erlangten. Sie hinterfragen die Grenzen des Konzepts „freier Arbeit“ und die in ihm enthaltenen Ambivalenzen kritisch;

sie nehmen aktuelle Debatten über „informelle Arbeit“ auf und historisieren

diese Vorstellungen. Global Histories of Work macht Leserinnen und

Leser mit einem stetig wachsenden Forschungsfeld von hoher akademischer,

sozialer und politischer Relevanz vertraut.

 

Arbeit und Kapitalismus

Herausgegeben von Jürgen Kocka und Jürgen Schmidt

 

Das Themenheft Arbeit und Kapitalismus der Zeitschrift “Geschichte und Gesellschaft”, herausgegeben von Jürgen Kocka und Jürgen Schmidt, beschäftigt sich mit den Beziehungen, Spannungen und Konvergenzen zwischen globaler, nationaler, regionaler und lokaler Arbeitergeschichte. Fragen nach freier und unfreier Arbeit im Kapitalismus sowie damit verbundene Debatten um Konzepte der Arbeiterklasse, Lohnarbeit, Hausarbeit, informeller und prekärer Arbeit in Vergangenheit und Gegenwart werden in den Beiträgen erörtert, um die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen methodischen Ansätzen anzuregen. Vergleiche über längere Zeiträume und kulturelle Grenzen hinweg sind ebenso Teil des Bandes wie Überlegungen über die Fluidität westlicher Konzepte, wenn sie in globaler Perspektive angewendet werden.

Slavery´s Capitalism - A New History of American Economic Development

Herausgegeben von Sven Beckert and Seth Rockman

 

"The intimate relationship between capitalism and slavery has been too-long dismissed, and with it, the centrality of African and African American labor to the foundation of our modern economic system. Slavery's Capitalism announces the emergence of a new generation of scholars whose detailed research into every nook and cranny of emerging capitalism reveals the inextricable links between the enslavement of people of African descent and today's global economy."
Leslie Harris, Emory University

 

Workers of the World - Eine Globalgeschichte der Arbeit

Marcel van der Linden

 

„Die historische Forschung, die sich mit arbeitenden Menschen beschäftigt, nahm zuletzt eine völlig neue Wendung: Die Geschichte der Arbeit verließ die ausgetretenen eurozentristischen Pfade und wurde ‚globalisiert‘. Historiker befassen sich seither, umfassend und systematisch, auch mit den Arbeitsverhältnissen in Asien, Afrika und Lateinamerika und gewinnen dadurch einen neuen Blick auf die europäische Sozialgeschichte. ‚Workers of the World‘, Marcel van der Lindens bahnbrechendes Standardwerk zur neuen ‚Global Labor History‘, liegt mit diesem Band erstmals vollständig in deutscher Sprache vor.“
                                                                                                                  Campus

Arbeit im Lebenslauf

Je nach historischer Epoche, räumlichem Kontext und gesellschaftlicher Schicht variiert die Verteilung von Arbeit und Nicht-Arbeit im Lebenslauf. Dieser von Therese Garstenauer zusammen mit Thomas Hübel und Klara Löffler herausgegebene und bei transcript veröffentlichte Band relativiert gängige Vorstellungen von der Normalität des Arbeitens, indem er danach fragt, wie Individuen und Gruppen mit diesen Maßstäben, aber auch mit den Veränderungen in der gesellschaftlichen und ökonomischen Organisation von Arbeit umgehen: Wie reagieren sie, wenn sie den Standards von Normalitätskonzepten oder -fiktionen nicht genügen? Wie kommt es zu Abweichungen, Konkurrenzen und Wandel?
Die Beiträger_innen ermöglichen einen multidisziplinär ausgerichteten Blick

auf die aktuellen Debatten über Arbeit, Prekarität und sozialen Wandel.

Rendre la justice à Amid

Yavuz Aykan analysiert in Rendre la Justice à Amid (Brill) das Rechtsleben der Stadt Amida im 18. Jahrhundert. Amida war Hauptstadt der osmanischen Provinz Diyarbakir. Anhand von Gerichtsprotokollen der Städte Amida, Harput und Mardin macht er die zentrale Stellung des Kadis, des Provinzgouverneurs, und des Muftis in der Stafverfolgung deutlich. Aykan verfolgt die Genealogie der vom Mufti genutzten Rechtstexte und untersucht so die Veränderung rechtlicher Auslegungen von Großsyrien bis Transsoxiana und der Goldenen Horde, - bis zur Integration in die osmanische Rechtspraxis. Das Buch bietet dadurch einen neuen, historisierten Zugang zu den verschiedenen Akteuren und Hierarchien der Rechtssysteme in dieser Provinz.

 

 

Anthropologie der Arbeit

In Anthropologie der Arbeit (Springer VS) untersucht Gerd Spittler anhand von ethnographischen Fallstudien die Einheit und Vielfalt von Arbeit. Das Spektrum der Arbeitsformen reicht dabei von Lohnarbeit, Jägern und Sammlern, Bauern und Hirten über Familienwirtschaft und Hausarbeit bis hin zu Kinderarbeit.

 

 

 

 

 

 

 

Arbeiter in der Moderne

In Arbeiter in der Moderne (Campus) blickt Jürgen Schmidt zurück in die Geschichte der Arbeiterinnen und Arbeiter, ihrer Arbeitsbedingungen, ihrer Verhaltensweisen und Werte, ihrer Lebenswelt und ihrer Organisationen. Er macht deutlich, wie langwierig und kontextgebunden die Bemühungen der Arbeiterschaft im 19. und 20. Jahrhundert waren, um in der Welt des modernen Kapitalismus ihre Interessen vertreten zu können. Zentrale Aspekte der Arbeitsgesellschaft im 21. Jahrhundert bekommen aus dieser Perspektive eine historische Tiefenverortung.

 

 

 

 

Anthropological Perspectives on Care

Die Beiträge des Sammelbandes Anthropological Perspectives on Care (Palgrave Macmillan) widmen sich der Ausdifferenzierung des Konzepts Care entlang der begrifflichen Achsen Arbeit, Verwandtschaft und Lebenslauf. Herausgeberinnen des Bandes sind Erdmute Alber und Heike Drotbohm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The History of Labour Intermediation

Sigrid Wadauer ist Mitherausgeberin des Sammelbandes The History of Labour Intermediation. Institutions and Finding Employment in Nineteenth and Early Twentieth Centuries (Berghahn). Die Fallstudien untersuchen Arbeitssuche und Stellenvermittlung in ausgewählten europäischen Staaten, Australien und Indien im 19. und 20. Jahrhundert. Sie bilden unterschiedliche historiographische Ansätze ab, die von Institutionengeschichten über Praxisanalysen bis hin zu biografiegeschichtlichen Ansätzen reichen.

 

 

 

 

 

Work and Culture in a Globalized World

In Work and Culture in a Globalized World. From Africa to Latin America (Karthala) versammeln die Herausgeber Andreas Eckert, Babacar Fall und Ineke Phaf-Rheinberger Beiträge, die zusammengenommen eine vergleichende Geschichte unterschiedlicher Formen und Kulturen von Arbeit erzählen. Die Autoren thematisieren ebenfalls mit Beispielen aus Afrika und Lateinamerika Fragen nach Organisationen, Geschichtsschreibung, Kreativität und Widerstand, den Einfluss lokaler Kulturen, sowie den Erwartungen der Jugend.

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

 

One Hundred Years of Servitude

In One Hundred Years of Servitude. Political Economy of Tea Plantations in Colonial Assam (Tulika Books) untersucht Rana P. Behal die Geschichte der Teeplantagen im indischen Assam unter Kolonialherrschaft. In sechs Kapiteln wird die hundertjährige Geschichte von den frühen Entwicklungen der Teeindustrie in den 1840er Jahren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts untersucht. Um einen wachsenden globalen Markt beliefern zu können waren mehr als zwei Millionen Menschen zu Zwangsarbeit verpflichtet.

Ankündigung

 

 

 

Port Cities and Global Legacies

Alice Mah entwickelt in ihrem Buch Port Cities and Global Legacies. Urban Identity, Waterfront Work, and Radicalism (Palgrave Macmillan) das Konzept der „global legacies” weiter, das sowohl auf den positiv verstandenen Begriff des „Erbes“ als auch die negativ konnotierte „Hinterlassenschaft“ abhebt, und dessen Spannungsfeld das analytische Zentrum der Studie bildet. Die bis in die Gegenwart wirkmächtigen Formen, Prozesse und Vorstellungen des „Globalen“ beeinflussen urbane Identitäten und Politik. Insbesondere Hafenstädte mit ihren globalen Dynamiken wie Migration und internationalen Handelsnetzwerken sowie ihrer langen Geschichte prekärer Arbeitsverhältnisse weisen eine Vielzahl an „global legacies“ auf.

 

 

Violent Intermediaries

Michelle R. Moyds Studie Violent Intermediaries. African Soldiers, Conquest, and Everyday Colonialism in German East Africa (Ohio University Press) untersucht die Rolle der Askari bei der Errichtung und Aufrechterhaltung deutscher Kolonialherrschaft in Ostafrika. Die Kontextualisierung der Akteure in weitreichende historische Prozesse im 19. Jahrhundert in Afrika erlaubt Moyd die einfühlsame Darstellung der Askari einerseits als aufstrebende lokale Elite in großer Nähe zur deutschen Kolonialmacht und andererseits als Opfer kolonialer Gewalt.